herbstliches Sterben – Bhavachakra

Ein Gedicht über das alljährliche herbstliche Sterben und davon, dass alles im Bhavachakra gefangen und gebündelt ist.

Eben noch grün und saftig, beginnt es langsam, kaum spürbar zu vergehen;
das Leben verlässt die Welt und legt sie in einen immer dunkleren,
in einen immer traurigeren Ton.

Es beginnt mit einem Rascheln, das trockener und subtiler ins Ohr fällt,
als es fiel, wenn alles noch heiß und lebendig schien. Doch der Tod…
kriecht unerbittlich durch die Adern der Welt.

Der Boden, der eben noch jedes Sonnenlicht in sattem Grün schluckte,
kann es nicht mehr halten und blendet die Augen in einem trügerischen Gold;
jenes Gold, das die trauernden Menschen unliebsam umsorgt.

Wie übertriebene Linseneffekte in einem übertriebenen Kinostreifen
übertreibt die Welt in einem letzten Aufbäumen vor dem sicheren Abgrund;
legt sich in blendende Farbvielfalt; verbrennt das letzte bisschen Kraft.

All der Terz kann jedoch niemals verhindern, was unerbittlich sich ankündigt,
was jedes Tier und jedes Wesen doch weiß – nämlich, dass es stirbt, dass es vergeht,
und dass es trotz Leben und Liebe am Ende doch alleine ist.

Am Ende stehen die Bäume wie abgemagerte Skelette, bieten dem Wind keinen Widerstand.
Was noch tönt sind lediglich die Leichen am Boden; die Kinderfüße,
die lachend durch den Rest der Anstrengung eines ganzen Jahres tollen.

Und Menschen stehen um ein Grab, halten ihre schwarzen Regenschirme dicht an dicht,
die Köpfe sind gesenkt in Trauer – und Einsamkeit bahnt sich den Weg in die Herzen.

Alles endet, alles stirbt, alles vergeht zu dem Element aus dem es entstand.
Kein Geld, kein Titel, kein Platz an der Sonne, kein Ruhm und kein Rang
können abwehren, was unerbittlich und erbarmungslos am Ende steht.

Herbst nennt sich dieses Sterben. Ohne diesen Herbst, ohne dieses Sterben,
findet der Boden keine Nahrung. Keine erneute Anstrengung möglich,
ohne, dass das alte und verbrauchte Leben weicht, verrottet und verdorrt.

Hoffnung ist, wo Tod ist. Sie sind Geschwister und gehen fest umschlungen…
so fest umschlungen, dass man sie leicht übersieht.

Blog, Kunstscheiße | 04.10.2018 | 713 Views
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